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Zu jener Zeit, im 14. Jahrhundert, war es in Deutschland verboten, deutschsprachige Bibelausgaben zu produzieren oder zu verwenden. Die Gelehrten der Kirche waren der Meinung, es sei gefährlich, dass jeder gewöhnliche Mensch in der Bibel lesen und seine eigenen Gedanken über die Texte machen könnte. Der König Wenzel jedoch widersetzte sich diesem Verbot. Er wollte eine Bibel herstellen lassen, die man lesen und verstehen konnte und die ausserdem äusserlich so prachtvoll und wertvoll wäre, wie ihre Inhalt seiner Meinung nach war. Und so gab er 1385 eine Bibel in Auftrag, an der vermutlich hunderte von KünstlerInnen zehn Jahre lang arbeiteten.
Zwei Menschen spielten dabei vor allem eine entscheidend wichtige Rolle: derjenige, der die Seiten konzipierte, also überlegte, wo Text, wo welche Bilder stehen sollten sowie derjenige, der den Text schrieb. Ja, damals schrieb man noch alles mit der Hand, und es ist im großen und ganzen ein einziger Mensch, der den Text geschrieben hat. Zehn Jahre lang arbeiteten sie an dieser einzigen Bibel. Was fertig wurde, war der größte Teil des Alten Testamentes - bis zum Propheten Hesekiel. Der Rest, auch das ganze Neue Testament, fehlt.
Warum? Im Jahre 1400 wurde der König Wenzel gezwungen, seinen Königsamt abzugeben. Zur gleichen Zeit stellte er fest, dass sein Bibelprojekt mit der Zeit reichlich teuer wurde. Genaueres wissen wir nicht - vermutlich hatte er so viel Geld für die Herstellung von dieser einen Bibel verwendet, dass er arm geworden war - jedenfalls so arm, dass er nicht mehr weitermachen konnte. |